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von Gorak Shep nach Pheriche

Khumbu Everestgebiet 2006

Von Gorak Shep nach Pheriche:

Entgegen von Berichten, dass Schlafen in Höhen über 5 000 m kaum möglich sei und der Körper sich nicht regenerieren könne, schlafe ich wie tot und fühle mich am Morgen wie neugeboren. Heute wollen wir eigentlich zum KALA PATTAR auf 5545 m.

5.30 Uhr klingelt der Wecker, ich sehe aus dem Fenster ... Mist  ... Schneechaos und nur wenige Meter Sicht.

Beim Frühstück zeigen sich überall betretene Gesichter. Aus der Traum vom schönsten Blick auf den Everest. Im Gegenteil, zur Sicherheit müssen wir, da keine Wetteränderung abzusehen ist, schnellstens soweit als möglich nach unten. Unser Ziel für den Tag ist das        1 000 m tiefer gelegene Pheriche.

Ein wahrer Gewaltmarsch beginnt, ich bezeichne diesen Abschnitt als die Königsetappe der Tour. Der Schnee mehr als 50 cm hoch, dazu Kälte und zeitweise Sturm. Wir gehen zunächst in Gruppen, ganz vorsichtig, ja keinen Fehltritt machen. Vor allem der erste Teil über die vereisten und unter dem Schnee verborgenen Geröllhalden am Rande des Khumbu-Gletschers ist ungemein schwierig und nicht ungefährlich. Von den herrlichen Bildern 24 Stunden zuvor ist nichts übriggeblieben, wir sehen nur wenige Meter weit und kämpfen uns durch das Schneetreiben.

In Lobuche angekommen bestehe ich auf ein kurzes Teatime. Unsere alte Lodge ist beinahe völlig unter den Schneemassen verschwunden. Im Gastraum stärken sich unsere Freunde von der gestrigen Base Camp-Tour. Nach kurzem Aufenthalt drängt mein Guide; wir müssen tiefer nach unten. Die bei gutem Wetter so herrliche Strecke nach Dughla wird jetzt zur Strapaze, zunächst müssen wir uns durch den Neuschnee den Weg bahnen, endlich Ankunft am Chörtendorf. Von den Gedenksteinen ist nur noch wenig zu sehen. Dann der schwierige Abstieg nach Dughla. Jetzt kommt auch noch ein kräftiger Sturm hinzu, der uns kaum auf den Beinen halten lässt. Immer wieder sitze ich glücklicherweise nur auf dem Hintern. Unsere beiden Freunde waren zwar in Lobuche ein wenig später gestartet, holen uns jedoch auf diesem Wegabschnitt ein. Von nun an beschließen wir, gemeinsam weiterzugehen.

In Dughla endlich Lunch. Ich möchte hierbleiben, mein Guide besteht jedoch darauf, bis Pheriche weiterzugehen. Nur dort wären wir einigermaßen sicher. Na ja, er muss es wissen.

Glücklicherweise legt sich der Sturm und es schneit kaum noch. Die Wanderung auf dem Talgrund wird beinahe zum Vergnügen. Gegen Abend ändert sich jedoch die Wettersituation erneut und der letzte Teil entwickelt sich endgültig zur Tortur. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir endlich Pheriche (4 340m m). Ich sitze erstmal völlig apathisch im Vorraum des Gästehauses und kann nicht verstehen, dass das Stapfen durch den hohen Schnee zu Ende ist.

Trotzdem, bald legt sich die erste Erschöpfung, der Hunger meldet sich und gemeinsam mit zahlreichen anderen Trekkern verbringen wir den Abend um den Ofen des Gastraumes.

Auch wenn die Wetterunbilden den Aufstieg zum Kala Pattar zunichte machten, fühle ich in mir Stolz und Befriedigung über die eigene Leistung. Darüberhinaus kommt die Gewissheit hinzu, mit 57 Jahren noch längst nicht zum alten Eisen zu zählen.

Insgesamt legen wir an diesem denkwürdigen Tag etwa 12 Kilometer zurück, die es wahrlich in sich hatten.


 
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